Abenteuer
Impuls von der Jugendvigil im Herbst 2010
(Bibelstellen: 1 Tim 6,11-16 / Lk 16,19-31)
Am letzten Freitag meinte ein Schüler im Religionsunterricht: „Menschen, die glauben, sind doch einfach Mitläufer, die sich keine eigenen Gedanken machen, die sich einfach anpassen an das, was Brauch ist.“ Ich habe grosses Verständnis und Sympathie dafür, wenn Jugendliche nicht einfach Mitläufer sein wollen. Umso mehr war ich sehr überrascht von der Aussage des Schülers und antwortete ihm: „Zur Zeit ist es doch genau umgekehrt. Der breite Strom besteht heute aus den Menschen, die den Glauben ablehnen oder ihm gleichgültig begegnen. Heute braucht es Mut, sich zum Glauben und besonders zur Kirche zu bekennen.“
Ein gesunder junger Mensch meidet Mitläufertum und Langeweile. Er sucht Herausforderungen und Abenteuer, strebt nach Selbständigkeit. Da klingt das Motto der Jugendvigil nach dem Gegenteil: „…nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir.“ Das scheint nach totaler Selbstaufgabe, nach Anpassung und Unterwerfung zu tönen. Ein Jugendlicher will doch sich selber finden und auch sich selber gehören. War Br. Klaus, der so gebetet hat, ein Mitläufer? Sein Lebenslauf spricht dagegen: Er hätte es leicht haben können: als reicher Bauer, angesehener Politiker und Richter. Und dann tut er als reifer Mann etwas, das auch damals wohl die meisten nicht verstanden haben. Er zieht weg von Haus und Hof, von Familie und Erfolg und wird Einsiedler. Mitläufer war also Br. Klaus nicht. Aber war sein Leben nicht langweilig: den Tag nur noch Gott zur Verfügung stellen und beten?
Der hl. Benedikt beschreibt das Dasein des Mönchs und damit auch des Einsiedlers als „Kriegdienst leisten“, als Kampf also. Und damit nimmt Benedikt Aussagen des Apostels Paulus auf, der das Christsein – z. B. in der heutigen Lesung – als Kampf beschreibt. Kampf ist das Gegenteil von Langeweile, das ist Herausforderung, dazu braucht es Mut, Tapferkeit, Ausdauer, Geschicklichkeit und Klugheit. Christsein ist spannendes, abenteuerliches Leben. Kein Leben für Warmduscher, Sein-Fähnchen-nach-dem-Wind-Dreher und Schnell-das-Handtuch-Werfer.
Wie sieht ein solches Abenteuerleben nun aus? Zuerst: Was braucht es dazu? Br. Klaus sah als 16jähriger in einer Vision einen hohen, schönen Turm am Ort, wo er später als Einsiedler leben sollte. Das Bild vom Turm erinnert an ein Gleichnis Jesu, das wir vor drei Wochen in der Sonntagsmesse hörten. Jesus vergleicht die Jüngerschaft mit einem Turmbau und sagt dann: „Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann.“ (Lk 14,2-29)
Reichen meine Mittel aus? Diese Frage wird sich jeder ehrliche Mensch stellen. Damit er aber auf das Abenteuer nicht verzichten muss, vertraut er sich dem erfahrenen Führer an, der das Abenteuer selber bestanden hat, der den Weg genau kennt, der die Ausrüstung zur Verfügung stellt und im Notfall mich stützt oder sogar auf seine Schultern nimmt. Dieser Führer ist Jesus Christus. Deshalb betet Br. Klaus: „O mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz du eigen Dir.“
Jesus vor Augen, kann es also nun in den Kampf gehen. Und zwar ist es nicht irgendein Kampf, sondern: „Kämpfe des guten Kampf des Glaubens.“ (1 Tim 6,12) Die erste Herausforderung besteht also darin, sich an die Spielregeln zu halten und keine unerlaubten Kampfmittel zu verwenden. Der Apostel Paulus zählt die erlaubten und zum Sieg verhelfenden Waffen auf.
1. Gerechtigkeit. Ich achte die Bedürfnisse der Mitmenschen und schenke ihnen Zeit. Ich widerstehe dem religiösen Egoismus, der nur gute Gefühle für sich selber sucht und die eigenen Vorlieben pflegt.
2. Frömmigkeit. Ich räume Gott stets den ersten Platz ein, auch wenn mir scheinbar die Zeit für ihn fehlt. Ich widerstehe der Versuchung zum Aktivismus.
3. Glauben. Ich bleibe Gott und seiner Kirche treu, auch wenn es sehr schwierig wird. Ich widerstehe der Versuchung, mich vom Strom der religiösen Gleichgültigkeit mitziehen zu lassen.
4. Liebe. Ich sorge gerade auch für die Menschen, die übersehen werden, die es schwer mit sich selber haben. Ich widerstehe der Versuchung, Menschen aufzugeben und zu verurteilen.
5. Standhaftigkeit. Ich bleibe unerschütterlich in meiner Geduld auch mit mühsamen Menschen und Situationen und suche in allem den Willen Gottes. Ich widerstehe der Resignation.
6. Sanftmut. Auch bei Anfeindungen und Hindernissen umarme ich das Leiden und widerstehe der Versuchung zu Zorn und Gewalt.
So zu kämpfen, ohne Machtmittel und Gewalt, in unbeirrbarer Geduld und mich selbst zurücknehmend, das braucht sehr starke Menschen, die die Kraft dazu aus der Gemeinschaft mit Christus nehmen. Br. Klaus war so ein Mensch. Mit den Kampfmitteln des Glaubens verhinderte er einen Bürgerkrieg, war er unzähligen Menschen Ratgeber, weist er bis heute den Weg zum „einig Wesen“, zu Gott.
Wer in den Medien die Berichte über Extrem-Abenteurer verfolgt, der stellt fest, dass das alles Profis sind, die ihr ganzes Leben auf diese Ziele ausgerichtet haben. Profi – das Wort kommt vom lateinischen profiteri, was „frei bekennen“ bedeutet. Um beim Abenteuer der Nachfolge Christi das Ziel zu erreichen, muss man ebenfalls Profi sein. Ein Mensch, der nicht wegen sozialen Vorteilen oder gesellschaftlichem Druck Mitglied der Kirche ist, sondern der aus freiem Herzen und innerer Überzeugung „das gute Bekenntnis ablegt“. (1 Tim 6,12) Das gute Bekenntnis besteht darin, nur dem einen König Christus zu dienen und von ihm alle Erfüllung zu erwarten. Der Christ lässt sich deshalb durch keine gesellschaftlichen Strömungen einschüchtern und er behält selbstbewusst das grosse Ziel vor Augen, auch wenn ihn unzählige Stimmen zu Aufgeben bewegen wollen. Der Profi überlässt aber auch im Alltag nichts dem Zufall. Jedes Detail ist wichtig, um das Ziel zu erreichen. Jede Alltagserfahrung und Alltagsbegegnung bietet Gelegenheit, das gute Bekenntnis zu Christus abzulegen. In dieses professionelle Vorgehen auf dem christlichen Weg willigt ein, wer mit Br. Klaus betet: „Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir. Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu Dir. Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir.“ – Amen.
P. Bruno Rieder
(Bibelstellen: 1 Tim 6,11-16 / Lk 16,19-31)
Am letzten Freitag meinte ein Schüler im Religionsunterricht: „Menschen, die glauben, sind doch einfach Mitläufer, die sich keine eigenen Gedanken machen, die sich einfach anpassen an das, was Brauch ist.“ Ich habe grosses Verständnis und Sympathie dafür, wenn Jugendliche nicht einfach Mitläufer sein wollen. Umso mehr war ich sehr überrascht von der Aussage des Schülers und antwortete ihm: „Zur Zeit ist es doch genau umgekehrt. Der breite Strom besteht heute aus den Menschen, die den Glauben ablehnen oder ihm gleichgültig begegnen. Heute braucht es Mut, sich zum Glauben und besonders zur Kirche zu bekennen.“
Ein gesunder junger Mensch meidet Mitläufertum und Langeweile. Er sucht Herausforderungen und Abenteuer, strebt nach Selbständigkeit. Da klingt das Motto der Jugendvigil nach dem Gegenteil: „…nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir.“ Das scheint nach totaler Selbstaufgabe, nach Anpassung und Unterwerfung zu tönen. Ein Jugendlicher will doch sich selber finden und auch sich selber gehören. War Br. Klaus, der so gebetet hat, ein Mitläufer? Sein Lebenslauf spricht dagegen: Er hätte es leicht haben können: als reicher Bauer, angesehener Politiker und Richter. Und dann tut er als reifer Mann etwas, das auch damals wohl die meisten nicht verstanden haben. Er zieht weg von Haus und Hof, von Familie und Erfolg und wird Einsiedler. Mitläufer war also Br. Klaus nicht. Aber war sein Leben nicht langweilig: den Tag nur noch Gott zur Verfügung stellen und beten?
Der hl. Benedikt beschreibt das Dasein des Mönchs und damit auch des Einsiedlers als „Kriegdienst leisten“, als Kampf also. Und damit nimmt Benedikt Aussagen des Apostels Paulus auf, der das Christsein – z. B. in der heutigen Lesung – als Kampf beschreibt. Kampf ist das Gegenteil von Langeweile, das ist Herausforderung, dazu braucht es Mut, Tapferkeit, Ausdauer, Geschicklichkeit und Klugheit. Christsein ist spannendes, abenteuerliches Leben. Kein Leben für Warmduscher, Sein-Fähnchen-nach-dem-Wind-Dreher und Schnell-das-Handtuch-Werfer.
Wie sieht ein solches Abenteuerleben nun aus? Zuerst: Was braucht es dazu? Br. Klaus sah als 16jähriger in einer Vision einen hohen, schönen Turm am Ort, wo er später als Einsiedler leben sollte. Das Bild vom Turm erinnert an ein Gleichnis Jesu, das wir vor drei Wochen in der Sonntagsmesse hörten. Jesus vergleicht die Jüngerschaft mit einem Turmbau und sagt dann: „Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann.“ (Lk 14,2-29)
Reichen meine Mittel aus? Diese Frage wird sich jeder ehrliche Mensch stellen. Damit er aber auf das Abenteuer nicht verzichten muss, vertraut er sich dem erfahrenen Führer an, der das Abenteuer selber bestanden hat, der den Weg genau kennt, der die Ausrüstung zur Verfügung stellt und im Notfall mich stützt oder sogar auf seine Schultern nimmt. Dieser Führer ist Jesus Christus. Deshalb betet Br. Klaus: „O mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz du eigen Dir.“
Jesus vor Augen, kann es also nun in den Kampf gehen. Und zwar ist es nicht irgendein Kampf, sondern: „Kämpfe des guten Kampf des Glaubens.“ (1 Tim 6,12) Die erste Herausforderung besteht also darin, sich an die Spielregeln zu halten und keine unerlaubten Kampfmittel zu verwenden. Der Apostel Paulus zählt die erlaubten und zum Sieg verhelfenden Waffen auf.
1. Gerechtigkeit. Ich achte die Bedürfnisse der Mitmenschen und schenke ihnen Zeit. Ich widerstehe dem religiösen Egoismus, der nur gute Gefühle für sich selber sucht und die eigenen Vorlieben pflegt.
2. Frömmigkeit. Ich räume Gott stets den ersten Platz ein, auch wenn mir scheinbar die Zeit für ihn fehlt. Ich widerstehe der Versuchung zum Aktivismus.
3. Glauben. Ich bleibe Gott und seiner Kirche treu, auch wenn es sehr schwierig wird. Ich widerstehe der Versuchung, mich vom Strom der religiösen Gleichgültigkeit mitziehen zu lassen.
4. Liebe. Ich sorge gerade auch für die Menschen, die übersehen werden, die es schwer mit sich selber haben. Ich widerstehe der Versuchung, Menschen aufzugeben und zu verurteilen.
5. Standhaftigkeit. Ich bleibe unerschütterlich in meiner Geduld auch mit mühsamen Menschen und Situationen und suche in allem den Willen Gottes. Ich widerstehe der Resignation.
6. Sanftmut. Auch bei Anfeindungen und Hindernissen umarme ich das Leiden und widerstehe der Versuchung zu Zorn und Gewalt.
So zu kämpfen, ohne Machtmittel und Gewalt, in unbeirrbarer Geduld und mich selbst zurücknehmend, das braucht sehr starke Menschen, die die Kraft dazu aus der Gemeinschaft mit Christus nehmen. Br. Klaus war so ein Mensch. Mit den Kampfmitteln des Glaubens verhinderte er einen Bürgerkrieg, war er unzähligen Menschen Ratgeber, weist er bis heute den Weg zum „einig Wesen“, zu Gott.
Wer in den Medien die Berichte über Extrem-Abenteurer verfolgt, der stellt fest, dass das alles Profis sind, die ihr ganzes Leben auf diese Ziele ausgerichtet haben. Profi – das Wort kommt vom lateinischen profiteri, was „frei bekennen“ bedeutet. Um beim Abenteuer der Nachfolge Christi das Ziel zu erreichen, muss man ebenfalls Profi sein. Ein Mensch, der nicht wegen sozialen Vorteilen oder gesellschaftlichem Druck Mitglied der Kirche ist, sondern der aus freiem Herzen und innerer Überzeugung „das gute Bekenntnis ablegt“. (1 Tim 6,12) Das gute Bekenntnis besteht darin, nur dem einen König Christus zu dienen und von ihm alle Erfüllung zu erwarten. Der Christ lässt sich deshalb durch keine gesellschaftlichen Strömungen einschüchtern und er behält selbstbewusst das grosse Ziel vor Augen, auch wenn ihn unzählige Stimmen zu Aufgeben bewegen wollen. Der Profi überlässt aber auch im Alltag nichts dem Zufall. Jedes Detail ist wichtig, um das Ziel zu erreichen. Jede Alltagserfahrung und Alltagsbegegnung bietet Gelegenheit, das gute Bekenntnis zu Christus abzulegen. In dieses professionelle Vorgehen auf dem christlichen Weg willigt ein, wer mit Br. Klaus betet: „Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir. Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu Dir. Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir.“ – Amen.
P. Bruno Rieder
